TEMPLE MUSIC: The Greater Whole

Alan Trench hält seine zahlreichen Musikprojekte meist voneinander getrennt. Die aktuellen Arbeiten der mit Steve Robinson betriebenen Band Temple Music – neben dem hier vorgestellten Album erscheint in einigen Tagen noch ein weiteres, dem wir uns in Kürze widmen werden – jedoch greifen auf einen Themenkomplex zurück, den er bereits in seinem anderen, zusammen mit Martyn Bates betriebenen Duo Twelve Thousand Days beackert hatte, nämlich sein Weiterlesen

HERMIT: Returning Fire

Die (menschliche) Stimme wurde jüngst noch zum Instrument des Jahres 2025 gekürt und natürlich ist sie das ursprüngliche, primordiale Instrument, das Emotionen in all ihren Facetten zum Ausdruck bringen kann. Dass diese Gefühle häufig die des Schmerze(n)s sind, spiegelt sich vielleicht auch in dem endlos abgebildeten, plagiierten und modifizierten Darstellungen von Munchs berühmtestem Gemälde wider. Weiterlesen

CHARBEL HABER: May a soft sun bless your sky while you wait for the inevitable

Mit “May a soft sun bless your sky while you wait for the inevitable” entwirft der libanesische Komponist und Ambientkünstler Charbel Haber ein Werk, das aus einem Moment des Innehaltens heraus geboren scheint: dem Ankommen in Paris, fern der unmittelbaren Bedrohung in seiner zur Zeit kriegsgebeutelten Heimatstadt Beirut, aber nicht losgelöst von ihr. Die Musik wirkt wie ein Versuch, sich eine Zone der Sanftheit zu schaffen, in der sich Weiterlesen

AK’CHAMEL: Spiritually Unemployed

Ak’chamel, das sich unter wilden Kostümen und Masken verbergende texanische Duo, erneut den Untertitel „The Givers Of Illness“ tragend, veröffentlichen ihre vierte LP bei dem französischen Label Akuphone. Verglichen mit den zahlreichen Tapes, die das Duo über die Jahre veröffentlichte, waren die auf Vinyl gepressten Aufnahmen etwas weniger LoFi, Weiterlesen

CHRISTOPHE CLÉBARD: Le Futur C’est La Drogue

Christophe Clébard ist eine schillernde Figur der europäischen Underground-Elektronik und zugleich eine Art Phantom. Geboren in Italien, lebt er wohl heute in Belgien, sein Name ist nur ein weiterer Nom de Guerre ähnlich früherer Projektnamen wie Onefuckone, Tucano oder Cobra Jaune und so eine weitere Maske, eine Rolle innerhalb eines künstlerischen Spiels, das sich irgendwo zwischen Synthpunk, Noise, Minimal Disco und düsterem Gesang Weiterlesen

ELENA M. ROSA LAVITE: Wabi Sabi

Wabi Sabi – jener aus der japanischen Ästhetik hervorgegangene Begriff – beschreibt nicht einfach eine Vorliebe für das Unperfekte, sondern eine alle Lebensbereiche durchdringende Haltung: die Anerkennung des Vergänglichen, des Unfertigen, des leicht Versch(r)obenen als eigentlichen Ausdruck von Schönheit. Nichts bleibt, nichts ist abgeschlossen, nichts vollkommen, und gerade darin liegt eine eigentümliche Form von Weiterlesen

INADE / TROUM: To Pan Eon

Mit Inade und Troum kommen zwei Droneduos auf einer 10” zusammen, über die es in der Labelmitteilung heißt, sie würden sich schon „seit Jahrzehnten“ bewundern. Es gibt zahlreiche Verbindungen. So veröffentlichten etwa Drone Records schon 1995 mit „The Axxiarm Plains“, einer Hommage an den russischen Futuristen Wladimir Majakowski, die erste Inade-Single. Weiterlesen

PHLÅSS: Ketuk

Ein entrücktes Klimpern und Bimmeln liegt halb unter einer elektrifizierten Rauschhülle verborgen und entfaltet gerade durch diese subkutane Präsenz eine eigentümliche Eindringlichkeit. Zeitweise treten andere Geräusche hervor: ein Rasseln, ein schwer zuzuordnendes Hantieren, als würde im Hintergrund etwas verschoben oder justiert. Mitunter entsteht der Eindruck, das Geschehen flache ab, doch dieser Eindruck erweist sich als trügerisch – er ist ein Weiterlesen

GROWTHRINGS: Live at Vibra Berlin 2025

Mit “Live at Vibra Berlin 2025“ legt das Berliner Projekt Growthrings – hinter dem sich die Klangkünstlerin und Mitbegründern von Howling Mystics Oleksandra Kopelyan verbirgt – ein Dokument vor, das weniger wie eine konventionelle Konzertaufnahme wirkt als vielmehr wie das Protokoll einer Beschwörung. Was hier festgehalten wurde, entzieht sich der klaren Form: Ein fließender, instabiler Klangkörper organisiert sich zwischen Stimme, Elektronik und Geräusch fortwährend neu, als folge er eher Weiterlesen

WATER IS THE SUN: Ritual Fever

Mit “Ritual Fever” legen Water Is The Sun – das gemeinsame Projekt von Mkl Anderson (Drekka) und Adam Parks (Timber Rattle, Lightning White Bison) – ein beeindruckendes Album vor, das sich am ehesten als zusammenhängendes, beinahe initiatisch fungierendes Ganzes begreifen lässt, das zwischen Soundtrack, meditativem Klangritual und imaginären Landschaftsgemälden im Dämmerlicht oszilliert. Weiterlesen

RLW: Minority Of The Dead

Auf „Minority Of The Dead“ stellt Ralf Wechowsky, der uns kürzlich noch mit dem Album “Fading Pictures” begeistert hatte, unter seinem RLW-Alias drei Stücke zusammen, deren Genese und Konzeption so wichtig sind, dass Informationen zu den einzelnen Stücken einen nicht unerheblichen Teil des CD-Artworks ausmachen: Weiterlesen

DEISON / MINGLE: Everything Collapse(d) – Piano Versions

Wiederentdeckungen in der Musik sind selten bloß archivierende Akte. Im Falle von Deisons und Mingles “Everything Collapse(d) – Piano Versions” läuft die Wiederentdeckung viel eher auf die nachträgliche Rekonstruktion eines künstlerischen Zusammenhangs hinaus, der im Moment seines Entstehens noch nicht vollständig sichtbar war. Die Aufnahmen entstanden bereits vor gut zehn Jahren beinahe Zeitgleich zur üppigeren Weiterlesen

TEMPLE MUSIC: Man, Creator Of His Own Universe

Mit “Man, Creator Of His Own Universe” bringen Alan Trench und Steve Robinson alias Temple Music ein Album heraus, das sich weniger als eine Sammlung von Stücken im klassischen Sinne versteht, denn als ein zusammenhängende inneres Erlebnis, als eine klangliche Meditation über Wahrnehmung, Kreation und die porösen Grenzen zwischen Innen und Außen. Entstanden im griechischen Euböa, trägt die Weiterlesen

NEUNTAGE ALT: Waif

Manchmal klingen frühe Synthie-Experimente mit Punk’n'Wave-Einfärbung, als geisterten sie im Halbschlaf zwischen Euphorie und Verunsicherung durch den Raum. In einem solchen Zwischenraum entfaltet sich auch der Reiz von “Waif” der Berliner Combo Neuntage Alt. Hervorgegangen aus dem DDR-Urpunk und ferner sozialisiert im Dunstkreis von Gruppen wie Ornament & Verbrechen und AG Geige entwarfen Weiterlesen

AND ALSO THE TREES: The Devil’s Door

Ein Wort, das im Zusammenhang mit der britischen Band And Also The Trees in den Sinn kommt, ist Konstanz. Nicht nur deswegen, weil sie seit inzwischen mehr als vier Jahrzehnten aktiv sind und – im Gegensatz zu manchen ihrer Kollegen – noch immer regelmäßig Alben veröffentlichen, sondern auch weil diese auf einem konstant hohen Niveau bleiben und es keinerlei musikalischen Ausfälle gibt. Weiterlesen

TRAS: Zcajk

“Durch eine weite Wüste fahren, der Wind schlägt hart ins Gesicht, das Wasser wird knapp, der Treibstoff geht zur Neige. Herz und Verstand kollabieren auf süße Weise, die nervöse Hülle fällt ab, legt die Haut frei, Freude beschleunigt, während alles auf einen weiteren Aufprall zusteuert, ohne den Wunsch zu bremsen. Wir sind hier, um all das zu erleben”. Diese Passage aus den Liner Notes beschreibt präzise die Grundhaltung von Weiterlesen

THIS MORN’ OMNIA: Insha

Die belgische Formation This Morn’ Omnia um Mastermind Mika Goedrijk ist bereits seit fast dreißig Jahren aktiv und bewohnt einen Bereich im weitverzweigten Grenzgebiet aus spirituell ausgerichtetem Ritualismus und einer rhythmusbasierten Dynamik, deren Wurzeln sowohl in postindustrieller Elektronik und technoiden Ansätzen als auch in älteren, oft außereurpäischen Traditionen stecken.  Weiterlesen

SABA ALIZADEH: Rituals Of The Last Dawn

Wann eigentlich beginnt ein Ritual? Mit einer klar erkennbaren Geste, mit einer festgelegten Handlung? Oder vielleicht schon mit einem einzelnen Ton, der sich tastend in den Raum stellt und erst allmählich seine Bedeutung im größeren Zusammenhang entfaltet? Bei “Rituals Of The Last Dawn”, dem neuen Album von Saba Alizadeh, scheint diese Frage durchaus passend, denn die beiden Stücke dieser Veröffentlichung entfalten sich Weiterlesen

ORDZ / NOISE CLUSTER: From Chaos To Balance

“From Chaos to Balance”, das erste gemeinsame Tape von Ordz und dem Kollektiv Noise Cluster, versteht sich als eine Art geologische Sinfonie, inspiriert von der Entstehung der Kontinente und von den Theorien Alfred Wegeners zur Kontinentalverschiebung. In dieser Perspektive erscheint die Erde nicht als statische Bühne, sondern als ein Organismus in permanentem Wandel, als Gefüge aus Kräften, die sich über Weiterlesen